Warum ist Bewegung so wichtig?

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(Bild: Muuvit v.l.: Marko Kantomaa und Juha Villanen) 

Interview mit dem finnischen Wissenschafter Marko Kantomaa.  

Welche Auswirkungen hat körperliche Aktivität auf die soziale und kognitive Entwicklung von Kindern? Kann Bewegung tatsächlich den Lernerfolg beeinflussen? 

Muuvit-Geschäftsführer Juha Villanen hat den finnischen Wissenschaftler Marko Kantonmaa am 11. November 2014  in Helsinki getroffen. Kantomaa forscht am Imperial College of London und dem finnischen Forschungszentrum für Sport- und Gesundheitswissenschaften.

Juha: „Marko, machst du eigentlich selbst Sport? Und wenn ja, wie viel?“

Marko: „Na klar, ich versuche mich täglich möglichst vielseitig zu bewegen. Mein sportlicher Hintergrund liegt im Orientierungslauf, und immer, wenn es möglich ist, treibt es mich raus in die Natur, um mich zu bewegen.“

Juha: „Wie bist du auf diesem Forschungsfeld gelandet?“

Marko: „Schon während meiner Lehrertätigkeit ist mir der Zusammenhang zwischen Sport und Lernen aufgefallen: Die aktiven und motorisch geschickten SchülerInnen waren auch oft in anderen Schulfächern fix und clever.“

Juha: „Warum ist Bewegung eigentlich so wichtig?“

Marko: „Bewegung hat einen positiven Einfluss auf die Strukturen und die Funktionen im Gehirn. Zudem bietet körperliche Aktivität die Möglichkeit zu sozialen Wechselwirkungen und entwickelt soziale Fähigkeiten. Sie wirkt sich auch positiv auf die geistigen Funktionen wie Erinnerung, Genauigkeit und Funktionssteuerung aus sowie auf das Selbstvertrauen und eine angenehme Schulatmosphäre. All diese Faktoren und Einflüsse unterstützen das Lernen.“

Juha: „Wird Bewegung schon als Teil des Lernprozesses oder als Lernhilfsmittel anerkannt?“

Marko: „Die Kenntnis über den Zusammenhang von Bewegung und Lernerfolgen hat während der letzten Jahre zwar merkbar zugenommen, aber Bewegung wird zurzeit noch nicht auf die bestmögliche Art und Weise als Lernmethode im Schulunterricht genutzt.“

Juha: „Wie wichtig wird Bewegung angesehen? Gibt es regionale Unterschiede? Du bist viel unterwegs, arbeitest in Finnland und Großbritannien und wirst demnächst Vorträge in Deutschland halten."

Marko: „Wie ich es sehe, kanne es regionale Unterschiede zwischen den Ländern bei der Anerkennung von Bewegung geben - besonders aus der Lernperspektive. Aber auch Faktoren, die mit den örtlichen Verhältnissen in Zusammenhang stehen, wirken sich aus. Wie zum Beispiel Bewegung auf dem Schulweg und die freiwillige Bewegung der Kinder, sowie strukturelle Faktoren. In Finnland können Schulen und Lehrer ziemlich selbständig entscheiden, wenn es um Unterricht bezogene Dinge geht und Bewegung als Lernhilfsmittel einsetzen.“

Juha: „Was wäre für dich ein Lottogewinn für deine Forschungen? Was möchtest du beweisen können?“

Marko: „Eine ausreichende Finanzierung wäre für meine Forschung ein Lottogewinn :). Ich möchte noch genauer die Mechanismen herausarbeiten, welche Bewegung sich auf das Lernen und den Lernerfolg auswirkt.“

Juha: „Wie lautet deine Botschaft an die Schulbehörden und Entscheidungsträger aber auch an Lehrer und Eltern?“

Marko: „Den Schulen und Entscheidungsträgern möchte ich sagen: erhöht die frühzeitige Bewegung im Schulalltag und nutzt sie vielseitig als Lernhilfsmittel. Erhöht die Freistundenaktivitäten und fördert Bewegung auf dem Schulweg. Und den Eltern: Gebt den Kindern Möglichkeiten, für bewegungsaktive Spiele, andere freiwillige Bewegungsaktivitäten und seid mit ihnen zusammen aktiv!“

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Muuvit-Kongress mit Marko Kantomaa: Bewegung als Mittel zum Lernen

Am 20.1.2015 findet in Berlin der deutsche Muuvit Kongress zum Thema "Lernen und Bewegung" statt. Marko Kantomaa ist als Referent zu Gast und beantwortet in seinem Vortrag die Frage "Ist Bewegung ein Mittel zum Lernen und zur Integration?"

Jetzt kostenlos anmelden unter: http://www.lyyti.in/MuuvitKongress2015

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt! Anmeldung möglich bis zum 16.01.2015.